MAV Plakatleinwand Aufn  17 03 2016

Aufnahme: A. Ziesmann

Zusatzversorgung - Fragen und Antworten

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Zusatzversorgung

Abschrift des Vortrages unseres Referenten Berthold Bzdak – agmav, den er leider wegen seiner Erkrankung nicht halten konnte

Zusatzversorgung- was ist das eigentlich?? Teil I
Seit ca. 160 Jahren gibt es Zusatzversorgungssysteme und seit 1951 das System der Zusatzversorgungskassen (ZVK).  Ursprünglich sollten sie dazu dienen, die Ungleichbehandlung bei der Versorgung zwischen Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst zu Beenden. Die Kirchen und ihre Einrichtungen haben sich für ihre Beschäftigten an dieses System angeschlossen. Grundlage ist das Betriebsrentengesetz, in welchem die Voraussetzungen geregelt sind. So ist dort z.B. vorgegeben, ab wann ein Anspruch auf ZVK-Rente besteht, dass es Hinterbliebenenversorgung geben muss und wie diese zu berechnen ist und wie die ZVK-Rente zu dynamisieren ist.

Für die Berechnung der ZVK-Rentenhöhe ist der Altersvorsorge-Tarifvertrag (ATV) maßgeblich, den die Gewerkschaft ver.di mit den öffentlichen Arbeitgebern abgeschlossen hat. Im Wesentlichen ist dort geregelt, dass es eine sog. Leistungszusage gibt und wie diese sich zusammensetzt. Wie wichtig diese Leistungszusage ist, darauf werden wir später noch eingehen.

Die öffentlichen sowie die kirchlichen Kassen sind in der Arbeitsgemeinschaft kommunale und kirchliche Altersversorgung e.V. (AkA) organisiert. Hier wird die sog. Mustersatzung beschlossen, die inhaltlich den ATV in der jeweiligen Kasse umsetzt und in jeder Kasse bindend ist.

Der arbeitsrechtliche Anspruch auf eine Zusatzversorgung ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag bzw. aus dem Tarifvertrag. Im Tarifvertrag TVDN steht in § 29, dass Mitarbeiter einen Anspruch auf eine Zusatzversorgung bei einer öffentlichen oder kirchlichen Zusatzversorgung haben. In Niedersachsen sind das die Zusatzversorgungskasse der ev. Lutherischen Landeskirche Hannovers in Detmold (ZVK Detmold) und die Ev. Zusatzversorgungskasse Darmstadt (EZVK Darmstadt).

Damit ist für den Rentenfall eine monatliche Rente gesichert, für die der Arbeitgeber den erforderlichen Beitrag (zurzeit 5,3% der Monatsvergütung) entrichtet. In der Folge der Diskussionen um den demografischen Wandel wurde in allen Kassen ein Eigenanteil der Beschäftigten eingeführt. Der beträgt im Moment 0,65% der monatlichen Vergütung, ist jedoch auf maximal 1% der Monatlichen Vergütung begrenzt ist.

Diese monatlichen Beträge werden in sog. Versorgungspunkte umgerechnet, wobei jeder Punkt 4€ monatliche ZVK-Rente wert ist. Beschäftigte erhalten jedes Jahr einen Zwischenbescheid von der Kasse, aus dem zu ersehen ist, wie hoch die Zusatzversorgung im Rentenfall jeweils sein wird. Wenn es dazu Fragen gibt, sind die Kolleginnen in der Zusatzversorgungskasse gerne bereit, entsprechende Auskunft zu geben. Ein Blick auf deren Homepages lohnt sich.

Bundesweit versuchen Arbeitgeber seit einiger Zeit, statt der Leistungszusage nur noch eine Beitragszusage zu geben- damit würde nicht eine garantierte Rente garantiert, sondern nur noch der monatliche Beitrag an die Kasse.


Zusatzversorgung- was bringt das eigentlich? Teil II

Nun geht es um die Frage, welche Vorteile man ganz konkret von der Zusatzversorgung hat. Hier geht es uns vor allem um den Unterschied zwischen zwei sehr ähnlich klingenden Begriffen, bei denen es aber große Unterschiede gibt: Leistungszusage und Beitragszusage.

Die Dachstiftung hat uns für den Rentenfall eine bestimmte Rentenleistung durch die Zusatzversorgung zugesagt. Bei dieser Leistungszusage garantiert der Arbeitgeber auf jeden Fall die zugesagte Leistung (Zusatzrentenbetrag), auch wenn es den Kassen nicht gelingt, auf das eingezahlte Kapital ausreichende Zinsen zu erwirtschaften. Zur Not erhöht die Kasse den Beitrag zur Zusatzversorgung. Das Risiko ist ausschließlich beim Arbeitgeber.

Anders bei der Beitragszusage. Hier garantiert der Arbeitgeber nur, dass er dem Arbeitnehmer einen bestimmten Betrag für eine zusätzliche Rente zur Verfügung stellt. Dieser Betrag wird dann bei einer Versicherung eingezahlt und diese zahlt im Rentenfall eine zusätzliche Rente. Deren Höhe richtet sich aber danach, ob und wie viel Gewinn die Versicherung gemacht hat und wie viel sie davon ausschüttet (vergleichbar mit den Lebensversicherungen). Das Risiko liegt hier voll beim Arbeitnehmer: Sind die Zinsen niedrig gibt es weniger zusätzliche Rente. Außerdem sind die zusätzlichen Renten nicht dynamisiert, d.h. sie Unterliegen keiner jährlichen Steigerung, sondern bleiben immer gleich. Auch gibt es in der Regel keine Hinterbliebenenversorgung (Witwen- und Waisenrente).

Beispielrechnung
Kolleg*in startet im Jahr 2019 und ist 25 Jahre alt.
Fachkraft, Berufseinsteiger*in
E8, Vollzeit, keine zeitliche Unterbrechung!
Renteneintritt mit 67 Jahren

Bei einer durchschnittlichen Lohnsteigerung von 2% und einer durchschnittlichen Rentenanpassung von 1% jährlich würde sie ca. 2117,-€ monatliche Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. Die Zusatzversorgung würde für diese Kollegin im Rahmen der Leistungszusage monatlich ca. 1.117,- € garantierte Zusatzrente zahlen. Zusammen wären das dann 3.234,-€ gesamtes Einkommen. Wegen der Inflation (hier im Beispiel jährlich 1,5%) hätten das eine heutige Kaufkraft von 1.731,- €

Würde die Leistungszusage in eine Beitragszusage verändert, sähe die Situation wie folgt aus:
Ca. 2117,-€ monatliche Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, dazu käme von der jeweiligen Versicherungsgesellschaft –in Abhängigkeit des wirtschaftlichen Erfolgs- eine garantierte private Rente in Höhe von ca. 195,- €.

Die private Versicherungswirtschaft geht dabei aber nicht von durchschnittlich 2%, sondern von 3% jährlicher Lohnsteigerung aus! Falls das Unternehmen die geplanten Gewinne erwirtschaften konnte würden im Rahmen der Gewinnausschüttung ggf. bis zu 872,-€ möglich sein. Die Kollegin hätte also im Rentenfall ein garantiertes Gesamteinkommen von monatlich 2.312,- €, ganze 922,-€ weniger! Nach Abzug der Inflation bedeutet das nach heutiger Kaufkraft ca. 1.237,-€ monatlich. Selbst für den Fall, dass die private Versicherung hervorragend gewirtschaftet hat und auch alles ausschüttet, bleibt eine Differenz von ca. 244,-€.

Das Beispiel macht deutlich, wie wichtig das heutige System der Zusatzversorgung gerade auch für jüngere Menschen ist, die noch den größten Teil ihres Arbeitslebens vor sich haben. Die Zusatzversorgung macht für sie gut ein Drittel des gesamten Renteneinkommens aus und ist damit ein wesentliches Mittel zur Verhinderung von Altersarmut. Arbeitgeber sollten daher in Zeiten des Fachkräftemangels lieber damit werben, als über eine Verschlechterung nachzudenken.

Link: ZVK Detmold www.kzvk-hannover.de
        EZVK Darmstadt www.ezvk.de


Nachfolgend führen wir die wichtigsten Fragen zu Ihrer Versicherung/Betriebsrente auf, die Antwort finden Sie auf der Homepage der ZVK:

Was ist die Betriebsrente? / Wie ermittelt sich diese?
Was bedeuten Versorgungspunkte?
Ab wann kann ich Leistungen aus der Zusatzversorgung erhalten?
Welche Abzüge kommen ggf. zum Tragen?
Was muss ich machen, damit ich meine Rente von der Zusatzversorgungskasse erhalte?
Erfolgt bei der Betriebsrente ein Inflationsausgleich?
Wie ist die steuerliche Behandlung meiner Betriebsrente?
Was passiert, wenn ich mein Arbeitsverhältnis vor Rentenbeginn beende?
Ich habe eine Eigenbeteiligung an den Beiträgen zur Zusatzversorgung geleistet.
Ich war vorher bei einer anderen Zusatzversorgungskasse versichert.


Die Antworten zu diesen Fragen erhalten Sie auf der Homepage der Zusatzversorgungskasse der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover unter www.kzvk-hannover.de
dort unter der Rubrik „Informationen – Versicherte“

Fragen und Antworten

Die KZVK Hannover ist für die Durchführung der betrieblichen Altersversorgung der uns angeschlossenen Mitglieder zuständig. In diesem Rahmen bieten wir Ihnen als Versicherte und Ihren Hinterbliebenen eine Betriebsrente.

Die wichtigsten Fragen zu Ihrer Versicherung/Betriebsrente:

Was ist die Betriebsrente? / Wie ermittelt sich diese?
Die Betriebsrente ist eine zusätzliche betriebliche Altersversorgung. Sie errechnet sich aus Ihren bis zum Rentenbeginn erworbenen Versorgungspunkten. Es gilt:

Versorgungspunkte x 4 € = monatliche Betriebsrente

Was bedeuten Versorgungspunkte?
Die Anzahl der pro Jahr erworbenen Versorgungspunkte richten sich im Allgemeinen nach Ihrem Entgelt und ihrem Lebensalter. Es gilt:

Zusatzversorgungspflichtiges Entgelt / 12.000 * Altersfaktor = Versorgungspunkte

Den Altersfaktor können Sie der nachstehenden Tabelle entnehmen. Den Altersfaktoren liegen versicherungsmathematische Berechnungen zugrunde (je jünger Sie zum Zeitpunkt der Beitragszahlung sind, umso höher werden die Beiträge bewertet, da diese für einen längeren Zeitraum gewinnbringend angelegt werden können). Als Alter gilt das Kalenderjahr abzüglich des Geburtsjahres.

Darüber hinaus können sich Versorgungspunkte aus sozialen Komponenten, wie z. B. durch Zurechnungszeiten bei Erwerbsminderung vor dem 60. Lebensjahr, während des Mutterschutzes oder in der Elternzeit, ergeben.
Tabelle Altersfaktoren
Tabelle Altersfaktoren

Ab wann kann ich Leistungen aus der Zusatzversorgung erhalten?

  1. Nach Erfüllung der Wartezeit von 60 Monaten. Dabei wird jeder Kalendermonat berücksichtigt, in dem Ihr Arbeitgeber Beiträge (ab 2002) bzw. Umlagen (bis 2001) aufgrund Ihres Arbeitsentgelts an uns entrichtet hat. Bei einem Arbeitsunfall in einem zusatzversorgungspflichtigem Beschäftigungsverhältnis gilt die Wartezeit als erfüllt.

    Ebenso gibt es bei einer Eigenbeteiligung keine Wartezeit für die Altersrente. Für die Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrente gibt es eine Wartezeit von 60 Kalendermonaten ab dem Beginn des Beschäftigungsverhältnisses. In diesen Fällen beschränkt sich die Leistungsermittlung auf die sich aus der Eigenbeteiligung ergebenden Anwartschaften.
  2. Wenn Sie eine Leistung aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten (für nicht gesetzlich Rentenversicherte gelten Sonderregelungen).
  1. Wenn eine Leistung aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen wird, besteht auch, sofern die Wartezeit erfüllt ist (vgl. 1.), auch ein Anspruch auf Leistung aus der Zusatzversorgung. Dabei ist es unerheblich, welche Rentenleistung Sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten: Erwerbsminderungsrente (teilweise oder voll, befristet oder auf Dauer), Altersrente (vorgezogene, für Schwerbehinderte, (besonders) langjährig Versicherte oder Regelaltersrente)
    Ausnahme: Altersrente als Teilrente
  2. Selbstverständlich erhalten Ihre Hinterbliebenen, sofern Sie die Wartezeit erfüllt haben, eine entsprechende Hinterbliebenenleistung parallel zur gesetzlichen Rentenversicherung (bei Waisen nur bis zum 25. Lebensjahr).

Der Rentenbeginn in der Zusatzversorgungskasse ist in der Regel identisch mit dem Rentenbeginn der gesetzlichen Rentenversicherung.

Welche Abzüge kommen ggf. zum Tragen?

  1. Wie in der gesetzlichen Rentenversicherung auch vermindert sich die Betriebsrente um 0,3 % pro Monat des vorzeitigen Rentenbezugs, derzeit max. jedoch 10,8 %.
  2. Volle KV- und PV-Beiträge bei gesetzlich Krankenversicherten (zusammen ca. 18,5 %).
  3. Mögliche Ruhenstatbestände sowie zu Lasten der Zusatzversorgung durchgeführte Eheversorgungsausgleiche sind zu berücksichtigen.

Was muss ich machen, damit ich meine Rente von der Zusatzversorgungskasse erhalte?

Hierzu müssen Sie bei uns einen eigenen Rentenantrag stellen. Diesem ist der Bescheid der gesetzlichen Rentenversicherung in Kopie beizufügen. Gerne senden wir Ihnen die Unterlagen auch zu.

Bitte beachten Sie, dass wir bei verspäteter Rentenantragstellung maximal zwei Jahre rückwirkend zahlen.

Erfolgt bei der Betriebsrente ein Inflationsausgleich?
 

Die Betriebsrenten werden jeweils zum 01.07. eines Jahres um 1,0 % erhöht.

Wie ist die steuerliche Behandlung meiner Betriebsrente?
Die steuerliche Behandlung Ihrer Betriebsrente hängt im Wesentlichen von der steuerlichen Behandlung der Aufwendungen (Beiträge/Umlagen) während Ihres Arbeitsverhältnisses ab. Sind die Aufwendungen versteuert worden, so ist der darauf entfallende Teil der Betriebsrente mit dem Ertragsanteil zu versteuern; waren die Aufwendungen steuerfrei, so ist der daraus resultierende Teil der Betriebsrente voll nachgelagert zu besteuern. Pauschal kann man bei der KZVK sagen, dass der Teil der Rente, der auf Zeiten vor 2002 beruht, mit dem Ertragsanteil zu versteuern ist, und der Teil, der auf Zeiten ab 2002 beruht, in der Regel voll zu versteuern ist.

Die Versteuerung Ihrer Rente erfolgt im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung. Damit Sie diese entsprechend vornehmen können, erhalten Sie einmal jährlich einen Nachweis für Ihre Einkommensteuererklärung.

Was passiert, wenn ich mein Arbeitsverhältnis vor Rentenbeginn beende?
Beenden Sie Ihr Arbeitsverhältnis, endet auch die Pflichtversicherung bei der KZVK. Ihre bis dahin erworbene Rentenanwartschaft bleibt Ihnen erhalten. Ihr Versicherungsverhältnis wird dann beitragsfrei weitergeführt. Für einen Rentenanspruch müssen Sie die Wartezeit von 60 Beitrags-/Umlagemonaten erfüllt haben (vgl. „Ab wann kann ich Leistungen aus der Zusatzversorgung erhalten?“).

Falls Sie danach bei einem neuen Arbeitgeber beschäftigt werden, der einer anderen Zusatzversorgungskasse angeschlossen ist, so können Ihre bisherigen Zeiten im Rahmen von Überleitungsvereinbarungen auf die neue Kasse übergeleitet werden bzw. durch die neue Kasse anerkannt werden. Hierzu ist bei der neuen Kasse ein Überleitungsantrag zu stellen.

Ist Ihr neuer Anstellungsträger ebenfalls bei uns Mitglied, so erfolgt die Übernahme auf Ihre neue Versicherung i.d.R. automatisch.

Ich habe eine Eigenbeteiligung an den Beiträgen zur Zusatzversorgung geleistet.
Anwartschaften, welche auf einer Eigenbeteiligung beruhen, sind sofort unverfallbar. Diese begründen einen Leistungsanspruch und sind daher nicht erstattungsfähig. Vgl. auch. "Ab wann kann ich Leistungen aus der Zusatzversorgung erhalten?

Ich war vorher bei einer anderen Zusatzversorgungskasse versichert.
In diesem Fall stellen Sie bitte einen Überleitungsantrag bei uns, so dass Ihre bisherigen Zeiten auf Ihre jetzige Versicherung übergeleitet bzw. zur Erfüllung der Wartezeit Die KZVK Hannover ist für die Durchführung der betrieblichen Altersversorgung der uns angeschlossenen Mitglieder zuständig. In diesem Rahmen bieten wir Ihnen als Versicherte und Ihren Hinterbliebenen eine Betriebsrente.